Verkehrsknoten, U-Bahn-Kreuzung, Eingangstor zur Mariahilfer Straße: Der Christian-Broda-Platz zählt zu den am stärksten frequentierten Stadträumen in Wien. Lange Zeit war er ein Ort, an dem sich Hitze staute und sich keiner lange aufhalten mochte. Die 2025 abgeschlossene Umgestaltung zeigt deutlich und nachhaltig, was klimafitte Stadtentwicklung leisten kann, auch unter schwierigen baulichen Voraussetzungen.

 

Wasser als funktionales Element: Zwei Systeme, klar getrennte Funktionen

 

Am Christian-Broda-Platz kommt Wasser nicht dekorativ, sondern gezielt und differenziert zum Einsatz: Die Kombination aus Wasserspielen und hochdruckbasiertem Bodennebel sorgt für unterschiedliche Wirkung und Nutzung.

 

Wasserspiele: Abkühlung, Bewegung, Interaktion

 

Insgesamt wurden vier Wasserspiele installiert, die sich in Anzahl und Zusammensetzung der Düsen unterscheiden:

  • Wasserspiel 1: 8 Wasserstrahldüsen und 8 sogenannte „nasse Nebeldüsen“
  • Wasserspiel 2: 7 Wasserstrahldüsen und 7 „nasse Nebeldüsen“
  • Wasserspiel 3: 5 Wasserstrahldüsen und 5 „nasse Nebeldüsen“
  • Wasserspiel 4: 5 Wasserstrahldüsen und 5 „nasse Nebeldüsen“

 

Die „nassen Nebeldüsen“ arbeiten bewusst nicht mit Hochdruck, sondern mit normalem Leitungsdruck. Dadurch entstehen größere Wassertröpfchen als bei klassischen Nebelanlagen. Der Effekt: weniger fein, dafür robuster, sichtbarer und stärker auf direkte Abkühlung und spielerische Nutzung ausgelegt. Die Wasserspiele sind damit bewusst auch als soziale Elemente gedacht – nutzbar, berührbar, intuitiv und verständlich.

 

Drei Lichtschrankensysteme steuern die Wasserspiele: Sie aktivieren sich nur dann, wenn Personen den Bereich betreten und auch nur, wenn äußere Bedingungen wie Temperatur und Tageszeit dies sinnvoll erscheinen lassen. Auf diese Weise wird ein Dauerbetrieb vermieden und der Wasserverbrauch gezielt begrenzt.

 

Bodennebel: Feine Kühlung entlang der Wege

 

Ergänzend zu den Wasserspielen richtete Raintime im Auftrag der Stadt Wien vier Nebelbereiche ein. Sie liegen entlang der Geh-Achsen und an Betoneinfassungen. Hier kommen die Module des Typs AquaSaal 110 zum Einsatz; jedes dieser Module verfügt über drei Hochdruckdüsen, die über eine Hochdruckpumpe mit rund 70 bar versorgt werden.

 

Im Gegensatz zu den Wasserspielen entsteht hier ein sehr feiner Nebel, der die Umgebungsluft abkühlt, ohne Flächen sichtbar zu durchnässen. Die Wirkung ist subtil, aber messbar: Gerade an heißen Tagen verbessert der Bodennebel das Mikroklima entlang der Hauptwege deutlich – beim Vorbeigehen ebenso wie bei einer kurzen Pause.

Das Wasserkonzept am Christian-Broda-Platz zeigt, dass nicht ein System alles leisten muss. Grobtropfige Wasserspiele und feiner Hochdrucknebel erfüllen unterschiedliche Funktionen – von direkter Abkühlung über Aufenthaltsqualität bis hin zur atmosphärischen Klimawirkung. Mithilfe dieser Kombination entsteht ein flexibles, steuerbares Kühlungssystem, das sowohl eine spürbare Erleichterung für Menschen bietet als auch ressourcenschonend arbeitet.

 

Wie also funktioniert Urban Cooling wirklich?

 

Der Christian-Broda-Platz zeigt, dass Urban Cooling als integrierte Infrastruktur gedacht werden muss, gerade dort, wo bauliche Voraussetzungen komplex sind. Trotz U-Bahn-Schächten und Tiefgarage gelang es, den Platz deutlich zu entsiegeln. 35 neue Bäume wachsen dort, die zusätzliche Grünfläche misst mehr als 1.300 Quadratmeter. Wasserdurchlässige, helle Oberflächen unterstützen die Verdunstung und tragen messbar zur Abkühlung bei.

 

Bewusste Materialentscheidungen wie Holz-Verkehrszeichen mit deutlich reduziertem CO₂-Fußabdruck ergänzen die klimatische Wirkung. Dazu kommen eine Neuordnung der Verkehrsflächen mit breiten Radwegen und der Rückbau einzelner Abbiegespuren zugunsten  der Radinfrastruktur und Grünflächen.

 

Insgesamt belegt das Projekt, dass Begrünung, Kühlung, Materialwahl und Mobilität keine getrennten Maßnahmen sind, sondern am besten gemeinsam wirken. Der Christian-Broda-Platz liefert ein belastbares Referenzprojekt für künftige städtebauliche Entscheidungen im urbanen Raum.

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